Erzengel St. Michael Kirche

Eine Pracht an Stuckarbeiten, Dekorationen und Skulpturen

ERZENGEL ST. MICHAEL KIRCHE

Ganz gleich, ob man nun aus Trento, Südtirol oder dem Val di Non kommt, die Augustinerabteivon San Michele zeigt sich immer in ihrer vollen Pracht. Ihre strategische Lage, an der ehemaligen Kaiserstraße, ordnete ihr schon in uralten Zeiten eine maßgebende Rolle zu. Dieses zu Beginn des 13. Jh. erbaute Augustinerkloster schloss im 15. Jh. auch die Pfarreien von Salurn, Magreid und Osanna, im Val di Sole, mit ein. Im Jahr 1874 verlor das Stift auf Wunsch des Landtags von Innsbruck seine sakrale Funktion, um zunächst eine Landwirtschaftsschule und später das heutige führende Landwirtschaftsinstitut auf Landesebene zu werden. Das ehemalige Kloster, das die Landwirtschaftsschule vor ihrem Umzug in eine neue und moderne Struktur beherbergte, ist heute Sitz des Trentiner Volkskundemuseums.
Die Kirche liegt genau in der Mitte der Abtei: Links befindet sich der charakteristische dreieckige Kreuzgang aus dem 13. Jh., rechts hingegen das ausgedehnte Studentenheim, das den Friedhof der Klosterbrüder umgibt. Heute bleibt von der überaus reichen Verzierung der Kirche nur wenig erhalten, d. h. eine handvoll Gegenstände, die jedoch eine Vorstellung der ehemaligen Pracht der Kunstwerke und der Kirchengeräte vermitteln.
Eine Freitreppe mit etwa dreißig Stufen führt auf den freien Vorplatz der Stiftskirche, bewacht von zwei Marmorstauen der beiden Bischöfe Vigilius und Augustin. Die in Lisene unterteilte elegante Fassade birgt in ihren acht Nischen dieselbe Anzahl von Statuen, mit sechs Porträts von Heiligen. Die oberen Statuen stellen vier Evangelisten dar, die unteren Kirchenväter aus dem Westen. Das Portal entstand 1688 und wird von der Statue des Erzengels St. Michael „beschützt“, der den Teufel  mit einem langen Spieß der Landsknechte durchbohrt.
Das Kircheninnere birgt Stuckarbeiten, die das Werk von Antonio Castellani (1683), einem lombardischen Künstler sind.
Auf der linken Seite des Hochaltarraums, ist oben, in einer ausgedehnten Nische, die Orgel untergebracht, mit einer aus Holz geschnitzten Frontseite im Barockstil – schön anzusehende Skulpturen und Goldverzierungen. Die Gemälde und die Fresken der Kirche sind fast vollständig das Werk der „begnadeten“ Hand von Giuseppe Alberti und seiner Schule.
Der barocke Prunk des Bauwerks gipfelt im Hochaltar. Eine sich ständig steigernde Harmonie aus Mehrfarbenmarmor beginnt im Hochaltarraum, windet sich an den Säulen empor, umrankt Konsolen und Statuen, die das Tabernakel zur Geltung bringen, und schließlich die Statue vom auferstandenen Christus. Über dem Altar thront die achteckige Kuppel, die in ihrem Innenbereich reich mit künstlerischen und originellen Stuckarbeiten verziert ist, die als Spandrille die vier Fresken umrahmen, die Propheten und die theologischen Tugenden versinnbildlichen.
Auch die Sakristei ist reich an Meisterwerken: Hier befinden sich vier Lünettenbilder mit den Figuren von Kirchenvätern, die fast sicher wiederum von Alberti stammen. Vier eindrucksvolle Holzstatuen von Heiligen und zwei Gemälde aus der Schule von Alberti.

Giancarlo Pellegrini, La Chiesa di San Michele all’Adige, Lavis, 2008

 

Besichtigung gegen Voranmeldung, mit Führung für Gruppen.

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Erzengel St. Michael Kirche